Mahler – Das Lied von der Erde
Автор: Sebastian Fuß
Загружено: 2026-01-11
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1. Das Trinklied vom Jammer der Erde — 00:31
2. Die Einsame im Herbst — 08:29
3. Der Pavillon aus Porzellan — 19:12
4. Am Ufer — 22:34
5. Der Trinker im Frühling — 30:02
6. Der Abschied — 35:46
Florian Sievers, Tenor
Nina Schumertl, Alt
Sebastian Fuß, Klavier
Das Trinklied vom Jammer der Erde
Li-Tai-Po / Bethge
Schon winkt der Wein im gold'nen Pokale,
Doch trinkt noch nicht, erst sing' ich euch ein Lied!
Das Lied vom Kummer
soll auflachend in die Seele euch klingen.
Wenn der Kummer naht,
liegen wüst die Gärten der Seele,
so erstirbt die Freude, der Gesang.
Dunkel ist das Leben, ist der Tod!
Herr dieses Hauses!
Dein Keller birgt die Fülle des goldenen Weins!
Herr, diese Laute nenn' ich mein!
Die Laute schlagen und die Gläser leeren,
das sind zwei Dinge, die zusammen passen.
Ein voller Becher Weins zur rechten Zeit
ist mehr wert, als alle Reiche dieser Erde!
Dunkel ist das Leben, ist der Tod!
Das Firmament blaut ewig, und die Erde
wird lange fest steh'n und aufblüh'n im Lenz.
Du, aber, Mensch! Wie lang lebst denn du?!
Nicht hundert Jahre darfst du dich ergötzen
an all dem morschen Tande dieser Erde!
Seht dort hinab! Im Mondschein auf den Gräbern
hockt eine wild-gespenstische Gestalt!
Ein Aff ist's! Hört ihr, wie sein Heulen
hinausgellt in den süßen Duft des Abends!
Jetzt nehmt den Wein! Jetzt ist es Zeit, Genossen!
Leert Eure gold'nen Becher zu Grund!
Dunkel ist das Leben ist der [Tod!]
Die Einsame im Herbst
Tschang-Tsi / Bethge
Herbstnebel wallen bläulich über'm Strom.
Vom Reif bezogen stehen alle Gräser;
man meint, ein Künstler habe Staub von Jade
über die feinen Blüten ausgestreut.
Der süße Duft der Blumen ist verflogen,
ein kalter Wind beugt ihre Stengel nieder.
Bald werden die verwelkten, gold'nen Blätter
der Lotosblüten auf dem Wasser zieh'n.
Mein Herz ist müde.
Deine kleine Lampe erlosch mit Knistern,
es gemahnt mich an den Schlaf.
Ich komm' zu dir, traute Dämmerstätte,
ja, gib mir Ruh; ich hab' Erquickung not!
Ich weine viel in meinen Einsamkeiten.
Der Herbst in meinem Herzen währt zu lange.
Sonne der Liebe, willst du nie mehr scheinen?
um meine bittern Tränen sanft aufzutrocknen!
Der Pavillon aus Porzellan
Li-Tai-Po / Bethge
Mitten in dem kleinen Teiche
steht ein Pavillon aus grünem
und aus weißem Porzellan.
Wie der Rücken eines Tigers
wölbt die Brücke sich aus Jade
zu dem Pavillon hinüber.
In dem Häuschen sitzen Freunde,
schön gekleidet, trinken, plaudern,
manche schreiben Verse nieder.
Ihre seidnen Ärmel gleiten rückwärts,
ihre seidnen Mützen hocken lustig tief im Nacken.
Auf des kleinen, kleinen Teiches
stiller, stiller Wasserfläche
zeigt sich alles wunderlich im Spiegelbilde.
Alles auf dem Kopfe stehend
in dem Pavillon aus grünem
und aus weißem Porzellan.
Wie ein Halbmond scheint die Brücke,
umgekehrt der Bogen.
Freunde, schön gekleidet, trinken, plaudern.
Am Ufer
Li-Tai-Po / Bethge
Junge Mädchen pflücken Blumen,
pflücken Lotosblumen an dem Uferrande.
Zwischen Büschen und Blättern sitzen sie,
sammeln Blüten in den Schoss
und rufen sich einander Neckereien zu.
Gold'ne Sonne webt um die Gestalten,
spiegelt sie im blanken Wasser wider.
Sonne spiegelt ihre schlanken Glieder,
ihre süßen Augen wider,
und der Zephir hebt mit Schmeichelkosen
das Gewebe ihrer Armel auf,
führt den Zauber ihrer Wohlgerüche durch die Luft.
O sieh, was tummeln sich für schöne Knaben
dort an dem Uferrand auf mut'gen Rossen,
weithin glänzend wie die Sonnenstrahlen;
schon zwischen dem Geäst der grünen Weiden
trabt das jungfrische Volk einher!
Das Ross des einen wiehert fröhlich auf,
und scheut, und saust dahin,
über Blumen, Gräser wanken hin die Hufe,
sie zerstampfen jäh im Sturm die hingesunk’nen Blüten,
hei! Wie flattern im Taumel seine Mähnen,
dampfen heiß die Nüstern!
Gold'ne Sonne webt um die Gestalten,
spiegelt sie im blanken Wasser wider.
Und die schönste von den Jungfrau'n sendet
lange Blicke ihm der Sehnsucht nach.
Ihre stolze Haltung ist nur Verstellung.
In dem Funkeln ihrer großen Augen,
in dem Dunkel ihres heißen Blicks
schwingt klagend noch die Erregung ihres Herzens nach.
Der Trinker im Frühling
Li-Tai-Po / Bethge
Wenn nur ein Traum das Dasein ist,
warum denn Müh' und Plag'?!
Ich trinke, bis ich nicht mehr kann,
den ganzen lieben Tag!
Und wenn ich nicht mehr trinken kann,
weil Kehl' und Seele voll,
so tauml' ich bis zu meiner Tür
und schlafe wundervoll!
Was hör' ich beim Erwachen?
Horch! Ein Vogel singt im Baum!
Ich frag' ihn, ob schon Frühling sei;
mir ist, als wie im Traum.
Der Vogel zwitschert: Ja! ja!
Der Lenz! der Lenz, der Lenz,
sei kommen über Nacht!
Aus tiefstem Schauen lauscht' ich auf -
der Vogel singt und lacht!
Ich fülle mir den Becher neu,
und leer' ihn bis zum Grund
und singe, bis der Mond erglänzt
am schwarzen Himmelsgrund!
Und wenn ich nicht mehr trinken kann,
Und wenn ich nicht mehr singen kann,
so schlaf' ich wieder ein.
Was geht mich Welt und Frühling an!?
Lasst mich betrunken sein!
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