Der alamannische Eibenbogen von Altdorf. Original und Rekonstruktion
Автор: Holger Riesch
Загружено: 2025-12-14
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Als Grabbeigabe für einen wohlhabenden Alamannen (Langschwert, Rundschild, vielteilige Gürtelgarnitur, Reitsporn etc.) in der St. Martinskirche, Kt. Uri, in der Schweiz wurde auch ein Langbogen aus der Mitte des 7. Jh. n. Chr. geborgen. Der Bogen war nur noch in Teilen erhalten. Man hatte ihn einst aus einem einzigen Eibenstämmchen gefertigt. Typologisch ist er mit Langbogen aus nördlichen Opfermooren der Spätantike wie in Nydam etc. verwandt. Diese hatten rundliche, ovale oder D-förmige Querschnitte. Über den Nocken wurde oftmals eine Strecke sich verjüngenden Holzes stehen gelassen. Wie später auch beim Funeralbogen aus Altdorf waren einige Nydam-Bogen mit einer Spitztülle aus Eisen oder Horn armiert. In unbespanntem Zustand blieben jene Eibenstöcke gerade und fest genug, um bei Bedarf auch als Speer oder als Gehhilfe geführt zu werden. Die Sehnenkerben waren dabei konstruktionsbedingt vor Schadeinwirkung geschützt. Eine Nutzung als "Speerbogen" mit aufgespannter Sehne erscheint zweifelhaft, da mit dem möglichen Reißen der Schnur bei dermaßen robusten Einsätzen der Bogen als Distanzwaffe ad hoc ausfiele. Auf der Fundzeichnung befindet sich die Spitztülle direkt unterhalb des Holzstabs, was nicht der Position in situ entspricht. Die Tülle lag im Fußbereich, der Bogen am Torso aufwärts. Im Nachbau ergibt sich durch das Tüllengewicht keine gravierende Änderung der Schussdynamik, sofern der andere Wurfarm zum Ausgleich etwas länger ausgelegt wird.
Neben dem Eibenbogen des Alamannen von Altdorf wurden 1969 in Höhe des Griffs auf etlichen Zentimetern Länge auch die Reste einer dreifach gezwirnten Schnur in S-Zwirn angetroffen: „... Nach der Fundlage der Sehne dürften Bogen und Spatha gemeinsam deponiert worden sein, denn der Bogen wurde zwar über, die Sehne aus dreifach gezwirnter, starker Schnur aber unter der Spatha gefunden. ...“ Technisch konnte man das Stück damals nicht konservieren. Dennoch liegt in Altdorf die nach meinem Wissen bisher einzige archäologische Manifestation einer Sehnenschnur für einen germanischen Langbogen zwischen den Alpen und Skandinavien aus der Eisenzeit, der Römischen Kaiserzeit und der Merowingerzeit vor! Aussagekräftige Reste von Holzpfeilen und Eisenspitzen mit breiten Widerhaken befanden sich in Altdorf in einem Köcher. Der Zweckform nach haben wir es mit einem Inventar für die Bogenjagd zu tun. Die Rekonstruktionen der Pfeilspitzen wurden von Ulrich Stehli geschmiedet. Heute gelten die Bogenüberreste, die Eisentülle und die Sehnenschnur als verschollen. Alle Funde wurden von Reto Marti 1995 in einem Aufsatz dokumentiert. Offenbar handelte es sich beim Eibenbogen von Altdorf um eine tradierte Konstruktion im Ursprung nordgermanischer Provenienz. Auch der mythologische Schütze Ægil auf der Beinschnitzarbeit des "Franks Casket" im angelsächsischen England (Runenkästchen von Auzon) des frühen 8. Jh. n. Chr. benutzt einen solchen Langbogen mit Nockenüberständen.
Holger Riesch: Pfeil und Bogen zur Merowingerzeit. Eine Quellenkunde und Rekonstruktion des frühmittelalterlichen Bogenschießens. Wald-Michelbach. Karfunkel Verlag. 2002
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Die Thumbnail-Fotomontage zeigt den Bogen, die Spitztülle und Sehne aus Altdorf in situ. Daneben Rekonstruktionen. Langbogen aus dem Nydam Mose und Nachbauten von Harm Paulsen in der Nydam-Halle bei Schloss Gottorf enthält das Video. Fotos H. Riesch (1994). Ein Lebensbild des Altdorfer Alamannen erfolgte durch Peter Mäder. Verein "Adalar-Sippe". Foto Peter Bächthold.
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