Das Brot | Wolfgang Borchert
Автор: WORT-SCHATZ | Deutsch lernen im KonText
Загружено: 2025-10-24
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Herzlich willkommen zu WORT-SCHATZ – Deutsch lernen im KonText. Heute geht es um die Kurzgeschichte Das Brot von Wolfgang Borchert, die im Jahr 1946 entstand. Sie spielt in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg und ist der Trümmerliteratur zuzuordnen. Der Text passt sich mit seinem schmucklosen, lakonischen Stil seiner Zeit an und gibt einen tiefen Einblick in die unbegreifliche Zerstörung, die aus dem Krieg resultierte. Im Mittelpunkt der Geschichte steht ein altes Ehepaar, das in seiner bescheidenen Wohnung ein karges und schweres Leben führt. Beide leiden unter der schweren Hungersnot der Nachkriegszeit. Eines Nachts wacht die Frau von einem Geräusch auf. Wie in einer Szene aus einem Kriminalroman zeichnet Borchert das Bild eines Brotlaibs - daneben ein Messer und die verräterischen Brotkrümel, die wie Blutspuren neben einer Leiche von einem schweren Verbrechen zeugen. Inmitten eine alte Frau, die scharf kombiniert und schnell versteht, dass sie ihren Mann dabei erwischt hat, heimlich Brot zu essen. Die Scham ist groß - auf beiden Seiten. Obwohl beide die Wahrheit kennen, belügen sie sich selbst und gegenseitig und versuchen, das Offensichtliche unter den Teppich zu kehren. Zwischen beiden liegt kein offener Streit, sondern ein stiller Konflikt. Wie in einem unabänderlichen Echo spiegeln sie sich gegenseitig falsche Tatsachen vor. In der vermeintlichen Hoffnung, dem Schmerz auf diese Art zu entgehen. Ob Borchert hier die Psyche einer Generation offenlegt, die bereits zuvor die Augen vor zerstörerischen Mächten verschloss und scheinbar auf einen guten Ausgang hoffte? Am nächsten Abend gibt die Frau ihrem Ehemann eine Scheibe Brot mehr. Ist es ein Zeichen der Güte oder die Macht der Gewohnheit, still zu leiden, anstatt sich der Wahrheit zu stellen?
Wolfgang Borchert: Das Brot
Plötzlich wachte sie auf. Es war halb drei. Sie überlegte, warum sie
aufgewacht war. Ach so! In der Küche hatte jemand gegen einen Stuhl
gestoßen. Sie horchte nach der Küche. Es war still. Es war zu still, und als
sie mit der Hand über das Bett neben sich fuhr, fand sie es leer. Das war
es, was es so besonders still gemacht hatte: sein Atem fehlte. Sie stand
auf und tappte durch die dunkle Wohnung zur Küche. In der Küche trafen
sie sich. Die Uhr war halb drei. Sie sah etwas Weißes am Küchenschrank
stehen. Sie machte Licht. Sie standen sich im Hemd gegenüber. Nachts.
Um halb drei. In der Küche. Auf dem Küchentisch stand der Brotteller. Sie sah, dass er sich Brot abgeschnitten hatte. Das Messer lag noch neben dem Teller. Und auf der Decke lagen Brotkrümel. Wenn sie abends zu Bett gingen, machte sie immer das Tischtuch sauber. Jeden Abend. Aber nun lagen Krümel auf
dem Tuch. Und das Messer lag da. Sie fühlte, wie die Kälte der Fliesen
langsam an ihr hoch kroch. Und sie sah von dem Teller weg.
"Ich dachte, hier wäre was," sagte er und sah in der Küche umher.
"Ich habe auch was gehört," antwortete sie, und dabei fand sie, dass er
nachts im Hemd doch schon recht alt aussah. So alt wie er war.
Dreiundsechzig. Tagsüber sah er manchmal jünger aus. Sie sieht doch schon alt aus, dachte er, im Hemd sieht sie doch ziemlich alt aus. Aber das liegt vielleicht an den Haaren. Bei den Frauen liegt das nachts immer an den Haaren. Die machen dann auf einmal so alt. "Du hättest Schuhe anziehen sollen. So barfuß auf den kalten Fliesen. Du erkältest dich noch."
Sie sah ihn nicht an, weil sie nicht ertragen konnte, dass er log. Dass er
log, nachdem sie neununddreißig Jahre verheiratet waren.
"Ich dachte, hier wäre was," sagte er noch einmal und sah wieder so
sinnlos von einer Ecke in die andere, "ich hörte hier was. Da dachte ich,
hier wäre was."
"Ich habe auch was gehört. Aber es war wohl nichts." Sie stellte den Teller
vom Tisch und schnappte die Krümel von der Decke. "Nein, es war wohl nichts," echote er unsicher. Sie kam ihm zu Hilfe: "Komm man. Das war wohl draußen. Komm man zu Bett. Du erkältest dich noch. Auf den kalten Fliesen."
Er sah zum Fenster hin. "Ja, das muss wohl draußen gewesen sein. Ich
dachte, es wäre hier. Sie hob die Hand zum Lichtschalter. Ich muss das Licht jetzt ausmachen, sonst muss ich nach dem Teller sehen, dachte sie. Ich darf doch nicht nach dem Teller sehen. "Komm man," sagte sie und machte das Licht aus, "das war wohl draußen. Die Dachrinne schlägt immer bei Wind gegen die
Wand. Es war sicher die Dachrinne. Bei Wind klappert sie immer." [...]
Den ganzen Text findest du zum Beispiel hier:
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