Psychische Erkrankungen – vom Defizitmodell zur Selbstregulation 27.1.26
Автор: Dr. Ero Langlotz
Загружено: 2026-01-27
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Psychische Erkrankungen und Neurotransmitter-Verschiebungen – vom Defizitmodell zur Selbstregulation
Vor 50 Jahren, als ich in München eine Nervenarztpraxis übernahm, wurden psychische Erkrankungen primär als Folge genetisch bedingter Neurotransmitter-Störungen verstanden. Depression galt als Serotoninmangel, Schizophrenie als Dopaminüberschuss, Angststörungen als Fehlregulation von Noradrenalin und GABA. Entsprechend entwickelte sich ein medizinisches Behandlungsmodell, das diese biochemischen Defizite pharmakologisch korrigieren sollte.
Psychische Erkrankung erschien damit als primär biologischer Defekt, also weitgehend losgelöst von Lebensgeschichte und Beziehungserfahrungen.
In den letzten Jahrzehnten hat sich dieses Bild jedoch grundlegend gewandelt. Zunehmend zeigen neurobiologische, entwicklungspsychologische und traumatherapeutische Erkenntnisse, dass viele Neurotransmitter-Verschiebungen nicht angeboren sind, sondern sich als Folge früher Bindungstraumata und chronischer Stressbelastung entwickeln.
Frühe Beziehungserfahrungen prägen das Stressregulationssystem, die dopaminergen Belohnungsschaltkreise, die Serotoninregulation und die gesamte autonome Balance. Vernachlässigung, emotionale Unsicherheit, Überforderung oder subtile Formen von Liebesentzug verändern nachweislich die neuronale Verschaltung – und damit auch die Neurotransmitterdynamik. Was später als „biochemische Störung“ erscheint, ist häufig das neurophysiologische Echo früher Anpassungsleistungen.
Die Frage stellt sich daher: Können Methoden wie die Selbst-integrierende Trauma-Aufstellung diese erlernten neurobiologischen Muster beeinflussen – und damit auch die Transmitter-Verschiebungen selbst?
Neurotransmitter-Veränderung durch Selbst-integrierende Trauma-Aufstellung
In der Praxis zeigt sich, dass bestimmte Interventionen der Trauma-Aufstellung unmittelbar subjektiv spürbare Zustandswechsel erzeugen: mehr Energie, Klarheit, emotionale Weite oder innere Ruhe. Neurobiologisch lassen sich diese Effekte plausibel als veränderte Neurotransmitterfreisetzung interpretieren.
Ein einfaches Beispiel ist die Abgrenzungsübung. Wenn ein Klient erstmals ein verinnerlichtes Verbot überschreitet – etwa sich zu behaupten, Raum einzunehmen oder „Nein“ zu sagen – und dies mit motorischer Bewegung kombiniert, entsteht häufig ein Gefühl von Lebendigkeit, Kraft oder Freude.
Hier wird sehr wahrscheinlich das „Glückshormon“ Dopamin aktiviert:
• Die Bewegung stimuliert motorische und emotionale Netzwerke
• Das erfolgreiche Durchbrechen eines alten Anpassungsmusters ermöglicht neue Synapsenverbindungen.
• Dopamin signalisiert: „Das ist sicher und gut für mich“
Das sogenannte „Glückshormon“ ist dabei zugleich Ursache von Glück und Marker gelingender Selbstregulation und autonomer Kompetenz.
Exkurs: Parkinson, Bewegung und natürliche Dopaminaktivierung
Ein eindrückliches Beispiel für die Plastizität neurochemischer Prozesse liefert meine Erfahrung als 85-jährigen Therapeut, der nach jahrzehntelanger überwiegend sitzender Arbeit an Parkinson erkrankte. Die Ursache ist ein Dopaminmangel. Daher können die Symptome entweder durch Einnahme von Dopamin ausgeglichen werden. Aber auch durch das sogenannte Parkinson-Boxen – eine intensive, rhythmische, kraftvolle Bewegungsform – ist es möglich, eine deutliche Verbesserung von Beweglichkeit, Stimmung und innerer Energie zu erleben.
Dieses Beispiel verdeutlicht: Neurotransmitter sind keine statischen Defekte, sondern dynamische Systeme, die durch Verhalten, Emotion, Beziehung und Körperarbeit beeinflusst werden können.
Traditionelle Erziehung als kollektives Bindungstrauma?
Vor diesem Hintergrund gewinnt eine weitere Frage an Bedeutung: Könnte die weit verbreitete leistungs- und gehorsamsorientierte Erziehung früherer Generationen als eine Form kollektiven Bindungstraumas verstanden werden? Sozusagen eine kollektive „Selbstdomestikation“!
Wenn Kinder, angepasst an die Erwartungen ihrer selber traumatisierten Eltern lernen mussten, Bedürfnisse zu unterdrücken, wenn ihre Autonomie sanktioniert wurde, entwickelte sich ein Überlebensprogramm chronischer Selbsthemmung.
Die hohe Prävalenz von Depressionen, Angststörungen, Süchten und psychosomatischen Erkrankungen ließe sich dann weniger als genetische Epidemie, sondern als transgenerationale Stressfolge verstehen.
Die Selbst-integrierende Trauma-Aufstellung lässt sich damit als Form gezielter Dekonditionierung verstehen:
Mit jeder korrigierenden Erfahrung verändern sich neuronale Synapsen-Netzwerke – und damit auch Neurotransmitterdynamiken.
Nicht Medikamente „machen gesund“, sondern gelingende Selbstregulation stellt die biochemische Balance schrittweise wieder her. Trauma-Arbeit kann – und muss - nicht alte Wunden heilen. Sie aktiviert die Selbstregulation, deren Blockade diese Wunden erzeugt und bis heute aufrecht erhalten hat
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